POP3 Verfahren für Server


Vor- und Nachteile des POP3 Verfahrens für Server


Die Vorteile des Verfahrens sind, im Gegensatz zu den Nachteilen, schnell aufgezählt:
  • Ein POP3 Connector ist schon dabei: Setzen Sie einen Small Business Server ein, ist ein solcher Connector gleich dabei und muss daher weder als 3rd Party Produkt noch als Lizenz extra angeschafft werden. Sie müssen diesen nicht mal extra installieren, da dieser bei einer SBS Installation dieser immer gleich mitinstalliert wird. Ob Sie Ihn nutzen ist eine andere Frage.


  • Exchange Betrieb kann sofort starten: ein Exchange Server kann sofort in Betrieb genommen werden, ganz gleich, was für eine Leitung sie haben. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich Ihre externe IP-Adresse im Internet ändert. Sie rufen ja zeitgesteuert "von innen" ab und bekommen nicht von "aussen" zugestellt.


  • Gute Unterstützung: Unterstützung finden Sie, abgesehen von vielen privaten und/oder kommerziellen Internetpräsenzen, in der Microsoft Knowledge Base, TechNet oder den Newsgroups. Bevor Sie aber fragen, informieren Sie sich und/oder schauen Sie zumindest mal nach, ob in den Newsgroups nicht die gleiche Frage schon einmal gestellt und auch ausführlich beantwortet wurde. Wichtig ist auch, dass Sie in der richtigen Newsgroup schauen/fragen. Brauchbare Antworten finden sich mit Hilfe von z.B.:

    Google.de
    http://www.google.de bzw.

    im Google NewsArchive
    http://groups.google.de


Die Nachteile

  • Keine direkte Zustellung: Sie erhalten auf dem Server eingehende Mails nicht direkt, sondern nach dem voreingestellten POLL-Intervall. Der minimalste Wert, den Sie beim Small Business Server über die administrative Konsole einstellen können, beträgt 15 Minuten und lässt sich nur nach oben ändern. Selbst wenn es irgendwie möglich ist, den Wert mittels eines Registrierungseintrags oder mit anderen Methoden zu ändern, sollten Sie, wenn Sie schon das "POP3 Verfahren für Server" einsetzen, auf die Erfahrung der Programmierer vertrauen, die das Produkt entwickelt haben, dass ein niedriger Wert gefährlich sein kann.

    Wenn Sie nun aber trotzdem nach einer Lösung suchen, den POLL-Intervall auf weniger Minuten als die der Vorgabe einzustellen, schliesslich wollen Sie ja Mails in Echtzeit erhalten, oder dem Einfallsreichtum der Entwickler nicht glauben, werden Sie sicherlich ein Produkt finden, was Ihnen genau dieses aus "Lösung" vielleicht sogar als "Vorteil" anbietet. Aber bevor Sie darüber nachdenken, lesen Sie bitte erst die nächsten Punkte und das Kapitel POLL Intervall.

  • POLL Dienst versagt: Das kann mehrere Ursachen haben. Auch wenn ein POLL-Dienst, wie etwa der "Microsoft Connector for POP3 Mailboxes" aus dem Small Business Server 2003, die Postfächer der Reihe nach und nicht gleichzeitig abruft, könnte einiges passieren. Aber der Reihe nach:

    1. Poll-Dienst übermittelt Mails doppelt: Wenn der Mailserver eine E-Mail mit grösserem Dateianhang empfängt, und der Poll Dienst diese abholt, kann es sein, dass der Poll Vorgang innerhalb des konfigurierten Intervalls aufgrund von geringer Bandbreite und dem zu übertragenen Datenvolumen länger dauert. Dadurch werden die Mails auf dem Quellserver erst später gelöscht, nämlich nach erfolgreichem Abrufen ALLER E-Mailnachrichten. In der Zwischenzeit startet der nächste Ladevorgang und holt die gleichen Mails zusätzlich erneut ab. Hier entstehen Schleifen, die Frage ist nur, wann man es bemerkt und vielleicht noch, wieviel die Hardware oder der Internetzugang aushält bis "nichts mehr" läuft.

      Auch ein einfaches Neustarten des Dienstes bringt hier keine Besserung: Dieser beginnt von vorne zu arbeiten, die Mail vom Quellserver sind immer noch nicht übertragen, und nach Ablauf der Zeit entsteht die erste Schleife.

      Hier hilft eigentlich nur noch ein manuelles Eingreifen. Entweder den Pollwert hochsetzen, die Mail per Outlook oder Webmail abrufen und somit auf dem Quellserver löschen, oder per Telnet direkt aus dem Quellserver Postfach löschen. Auch zu Zeiten von DSL und Co. versenden einige Kunden immer noch MegaByte weise Dateianhänge. Stichwort PowerPoint Folien und eingefügten Bilder im .BMP Format.

    2. Maximale parallele Anmeldungen: Vielleicht kann oder will Ihr Mailprovider nur eine oder maximal zwei Anmeldungen parallel an jedem Postfach zulassen. Der POLL-Dienst lädt gerade noch den Dateianhang von ein paar MB, ist also noch nicht fertig, während der nächste POLL startet und auf das gleiche Postfach zugreifen möchte. Dass könnte natürlich auch im LOG File des Providers auftauchen. Ob das in irgendeiner Weise ein Problem sein könnte, steht in den allgemeinen Geschäftsbedingungen Ihres Providers.


    3. Exchange down: aber POLL Dienst läuft weiter. Was passiert mit den Mails, die der POLL Dienst bereits "besorgt" hat, aber der Exchange ist aus bestimmten Gründen (Power down, Hardware- oder Softwareversagen, Wartungsarbeiten, etc) nicht verfügbar? Und Jemand hat vergessen, den POP3 Connector auszuschalten? Vielleicht läuft dieser auch auf einer vorangestellten Linux Maschine, auf die Sie sowieso keine Berechtigung haben. Was passiert mit den Mails? Hier gibt es keine "SMTP Warteschlange", aber wenn es auf Linux basierend, dann hoffentlich etwas ähnliches?

  • Schlechtes Troubleshooting: da dieses Verfahren nur als kleine oder Zwischenlösung gedacht ist, bringen die meisten Tools keine Supporttools mit, schliesslich werden ja "nur" Mails geholt. Daher ist nicht nur im Falle von Troubleshooting die Fehlersuche aufwendiger, und wenn es so weit ist, schieben sich Provider und Kunde gegenseitig die Schuld zu. Im Zweifelsfalle müssen Sie sich in der Regel auf die Aussage Ihres Providers verlassen, dass der Fehler auf Ihrer Seite liegt. Umso ärgerlicher, wenn man den Fehler erst dann bemerkt, wenn Sie oder Ihr Kunde seit Tagen kein Mailnachrichten bekommen haben. Sie kontrollieren ja auch nicht alle fünf Minuten misstrauisch Ihren Reifendruck am Auto.


  • Übergabe "nur" an Postfächer: mit dem SBS POP3 Connector können gepollte Mails erstmal nur einem Exchange Postfach und keinem öffentlichen Ordner übergeben werden. Sicher gibt es Workarounds oder 3rd Party Tools, die dabei helfen. Aber die sind erstmal nicht an Bord und sind womöglich auch nicht kostenfrei.

    Natürlich könnte man mit Bordmitteln einen "Pseudo-User" anlegen und eine Weiterleitung definieren. Dies würde sicher funktionieren, aber auf Kosten einer Client Access License (CAL).


  • Sammelpostfach verliert BCC: Empfänger: bei Sammelpostfächern gehen die BCC: Empfänger verloren, da sich der POP3 Connector selbst als Instanz (nach dem letztem Mailserver) als Client verhält und somit schon nicht mehr sehen kann, welcher Empfänger auf BCC war, um diese zuzustellen. Damit gehen die Mails, die an einen BCC Empfänger gesendet wurden, und nur diese, verloren.

    Microsoft Exchange Connector for POP3 Mailboxes does not support Bcc
    http://support.microsoft.com/kb/265739

    "Messages that are delivered to a global POP3 account with a recipient specified in the Bcc box may not be delivered to the intended recipient and neither a non-delivery receipt (NDR) or an error message are generated."

    "Cause: This is by design."


  • Passwörter pro Poll Intervall durchs Internet: Je nachdem, wie die POLL Rate eingestellt ist, werden die Benutzerkennungen und zugehörige Passwörter und Servernamen für die Providerpostfächer regelmässig über das Netz transportiert. Dies geschieht in der Regel unverschlüsselt. Eine "Secure Password Authentication (SPA) Funktion ist vorhanden, benötigt aber auf der Gegenstelle die notwendigen Vorraussetzungen.


  • Antivirus-Infrastruktur-Lösungen sind schwerer zu implementieren: Es sei denn, Sie haben einen Scanvorgang bei Ihrem Providerpostfach mit dabei oder fahren direkt auf dem Exchange Server ein entsprechendes Produkt. Nur wenn bei letzterem dann mal ein schadhafter Code vorbeischaut und nun der Virusscanner nicht hilft, ist der Virus schon mal auf dem Exchange Server. Natürlich kann das auch passieren, wenn Sie einen Virusscanner vorschalten, aber dann muss der Virus nicht nur am Virenscanner vorbei, sondern auch noch auf den Exchange Host kommen. Generell ist es zu empfehlen, auf dem Exchange Server einen Virenscanner zu installieren, ob dass dann aber auch ein Filescanner sein muss, ist eine andere Geschichte.
Falls Sie das gelesen haben und der Meinung sind, dass dies unvollständig ist oder erweitert werden kann, können Sie mir gerne eine Mail schreiben. Im Sinne der Aufklärung liegt es natürlich auch mir nahe, neutral und "richtig" zu informieren.

Sehen Sie hierzu auch diese Artikel:

Frank's MS Exchange FAQ: POP3 abholen
http://www.msexchangefaq.de/internet/pop3smtp1.htm

NetzPrisma FAQ - #212002 SBS POP3-Connector funktioniert nicht richtig
http://faq.netzprisma.de/?id=212002



Weiter zu Das POLL Intervall