Das POLL Intervall
Wenn Sie Mails mit einem sehr kleinen Intervall abholen, kann es vorkommen, dass Sie einen
Dateianhang (Attachment) per Mail empfangen, der für einen vollständigen Download einige Zeit
benötigt. Hier wäre vielleicht, je nach Produkt, wieder das Kollidieren
und das anschliessende Versagen des Dienstes durch den nachfolgenden POLL Vorgang ein Thema. Vielleicht haben Sie
sogar "nur" ISDN und übertragen somit theoretisch "nur" 8kbyte/s. An einem konkreten
theoretischen Beispiel würde die POLL-Dauer so aussehen:
2 MB Datei (2.048 kbyte / 8 kbyte/s): circa 256 Sekunden = 4,26 Minuten
4 MB Datei (4.096 kbyte / 8 kbyte/s): circa 512 Sekunden = 8,53 Minuten
6 MB Datei (6.144 kbyte / 8 kbyte/s): circa 768 Sekunden = 12,8 Minuten
8 MB Datei (8.192 kbyte / 8 kbyte/s): circa 1024 Sekunden = 17,07 Minuten
Wenn Sie sich nun vorstellen, dass bei jedem dieser Abrufe zuzüglich zu den eigentlichen
Nutzdaten (Netto), auch die Verwaltungsinformationen (Brutto) wie Header, Authentifizierungsinformationen
(idR. Klartext) uvm. über die Leitung gehen, dann kommt da schon einiges zusammen.
Im Kapitel Nachteile haben Sie von POLL-Dienst friert ein
und eventuellen Schwierigkeiten im Falle Maximale parallele Anmeldungen gelesen. Was bisher noch
nicht erwähnt wurde ist folgende Thematik:
Erhöhter Datenverkehr und Belastung der Ressourcenserver
Fairerweise sollte man auch erwähnen, dass ein ständiges Abrufen eines oder mehrerer Mailkonten
zu erhöhtem Datenverkehrsaufkommen beiträgt. Schliesslich werden pro Intervall auch Bruttoinformationen, wie
etwa Header- und Logininformationen, über die Leitung transportiert. Wenn dann noch eine gesicherte Anmeldung
oder Datenverschlüsselung zum Einsatz kommt, werden alle teilnehmenden Komponenten, wie etwa die Internetanbindung
aller Beteiligten (auch die des Providers), sowie alle teilnehmenden Netzwerk- und Serverkomponenten, durch das
Übertragen der Sicherheitsinformationen pro Intervall zusätzlich, um nicht zu sagen "permanent", beschäftigt.
Das soll jetzt nicht heissen, dass man besser im Bereich Sicherheit Abstriche machen soll. Aber auch diese Dinge sollte man wissen. Kunden,
die volumengebundene Tarife haben, könnte das je nach Aufkommen und Umfang nicht gefallen, da diese Daten vom eventuell
vorhandenen Freivolumen abgezogen werden. Zudem ein Überschreiten der Volumengrenze zusätzlich gezahlt werden muss.
Oft wird dann in "zusätzlich angefallenen Einheiten" abgerechnet. Hier können nur die Preisliste bzw. die allgemeinen
Geschäftsbedingungen (AGBs) des Providers sichere Auskunft geben.
Wenn man das dann so weiter beobachtet, ist Ihre Internetanbindung bald nur noch damit beschäftigt, Bruttodaten
über das Netz zu transportieren, statt Netto nur mit den "Rohinformationen", die Nutzdaten selbst. Je niedriger der
Intervall eingestellt ist, desto eher trifft die Situation ein, im Posteingang des Providerservers nachzuschauen,
als tatsächlich Mails abgerufen werden. Aber der Datenverkehr bleibt.
Übrigens: Flat ist keine Lösung!
Aber auch pauschal abgerechnete Tarife sind hier keine Lösung, da immer irgendjemand diese Kosten tragen muss. Bei "Flat"
Tarifen, also pauschal abgerechneten Internet Zugängen, ist es in erster Linie nicht der Endanwender,
sondern der Provider, der auf dem zusätzlichen Volumen sitzen bleibt. Das klingt jetzt, wie wenn "ein paar
KiloByte" mehr oder weniger den Provider "schon nicht pleite" machen, aber bedenken Sie, dass Kleinvieh auch
Mist macht. Und Sie sind nicht der einzige Kunde, der vielleicht einen solchen Zugang hat, und nutzt.
Ärgerlich ist es dann, wenn das ganze pro Kunde aus dem vom Provider tollerierten Rahmen fällt, etwa aus Verletzung
der AGBs, weil der Kunde wirtschaltlich "nicht zu tragen" ist, oder etwas tut, was dem Provider nach einer erneuten Einsicht
seiner Logfiles nicht gefällt, und dieser dem Endanwender selbst gekündigt, wie es bei einem grossen Provider in Deutschland
der Fall war. Allerdings wurde hier im Bereich Datentransfer nicht nur mittels POP3 ein Mailserver abgerufen. Das eine oder
andere Peer2Peer Netzwerk dürfte hier mitgelaufen sein.
Spam
Abgesehen davon, dass das Virusscanning und SPAM Schutz schwieriger zu lösen ist, rufen Sie ja nicht nur "Ihre"
Mails ab, sondern finden früher oder später vielleicht auch SPAM in Ihrem Postfach, durch den POP3 Downloader
abgeholt. In der Regel folgt recht kurzfristig danach der Zeitpunkt, in dem man erfährt, wie leistungsfähig die
eingesetzten Produkte sind. Und mit solchen unerwünschten Werbenachrichten kann man recht schnell die Grenzen
der eingesetzten Applikationen kennen lernen.
Fazit
Ab einer gewissen Anzahl an Anwendern, die auf diese Weise versorgt werden, macht dieser Mechanismus
keinen Sinn mehr, zudem die technischen Komplikationen auch bei steigender Mitarbeiterzahl nicht abnehmen. Ob es
eine verbindliche Zahl gibt, ist ungewiss, da diese von zu vielen Faktoren abhängt. Beginnt die Zahl jedoch
zweistellig zu werden, sollte man sich überlegen, ob man nicht doch auf SMTP-Zustellung umsteigt. Aber das sollte
eigentlich schon vor der Implementierung passieren. Sie wissen ja, vieles wächst aus Tradition und dann ist es
erstmal da und schwer wegzubekommen.
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